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Irgendwie war ich abgeschweift... Eigentlich (eigentlich!) geht es (auch) um die Frage: wieviel Gefühl ist hormonell bedingt, wie stark steuern die Pheromone unsere Entscheidungen und wieviel Liebe geht durch den Körper?
Begierde fördert die Toleranz, sonst hält man die Nähe, fast schon: die Dichte zu einem anderen Menschen auf Dauer gar nicht aus. Nicht umsonst ist Sex ein Beziehungsindikator, jede Paartherapie fragt nach der Häufigkeit, bei der Antwort wird grundsätzlich aufgerundet und die Durchschnitts-Statistiken sind allesamt optimistisch bis rosarot.
Wie können Paare zusammen leben, bei denen die körperliche Anziehungskraft kein Thema (mehr) ist? Und warum gibt es keine Untersuchung darüber, ob häusliche Dramen am häufigsten ausgelöst werden durch Leidenschaft oder durch Langeweile?
Zu beobachten ist häufig ein Teufelskreis: leben Paare sich auseinander, sinkt die Bettfrequenz und sie distanzieren sich nur noch weiter vom anderen. Das geht Woche um Woche und monatelang fast gut, bis es irgendwann eskaliert: beim einen sind die Gefühle nicht mehr da, der andere fühlt sich einsam und warum unternehmen wir eigentlich so wenig miteinander? Die guten Paare schaffen es, sich zusammenzuraufen, ein reinigendes Gewitter (+ Versöhnungssport) zu zelebrieren und sich anschließend wieder aufeinander zu zu bewegen. Die anderen trennen sich.
Trotz allem bleibt die Balance schwierig, wahrscheinlich bei allen. Wer identische Hobbies hat, unterscheidet sich vielleicht in den Lebensgewohnheiten. Oder umgekehrt. Das Streitpotenzial geht vom nächtlich geöffneten Fenster über Langschläfer-Morgenmuffel, von den Essgewohnheiten über den Fußballfreundeskreis und ist in seiner alltäglichen Vielfalt unerschöpflich.
Was uns zu dem Ausgangspunkt zurück bringt:
Es ist ein Wunder, dass Menschen ein Leben lang zusammen bleiben. Es ist nicht minder verwunderlich, dass es zur idealen Lebensform stilisiert wird.
Und es ist wundervoll, wenn es funktioniert.