Auch Linienbusfahrer streben nach Individualismus und Selbstverwirklichung: und sei es in der Interpretation des Fahrplans. So trug es sich zu, dass ich nach einem netten Abend mit Gelächter, Wein und Häppchen per U-Bahn + Bus nach Hause fuhr. Der Phantombus, den es zwar laut Internet gab, nicht jedoch laut interaktiver hochtechnologischer Anzeige tauchte aus den Nebelschwaden des Nichts auf und nahm mich mit. Unterwegs erklärte mir der Busfahrer, dass dieser Bus nur zur "Nauestraße" fährt (wie im Bus-Header auch angezeigt), nicht jedoch nach "Riem/Bhf" (Anm. d. Red.: die Busse, die dorthin fahren, tragen dies brav in ihrer Überschrift). Die Einschätzung des Busfahrers, was das mögliche Ziel Haltestellen-Wartender sein könnte, entscheidet über das Schicksal. O-Ton Fahrer: "An der Haltestelle eben stand einer, aber der wollte bestimmt nach Riem - also hab' ich nicht angehalten." Ich war dem Schicksal entsprechend dankbar, dass ich es mit dem öffentlichen Nahverkehr bis nach Hause geschafft hatte und kann zum Trost von MVV-ignorierten Fahrversuchlern sagen: gönnt doch dem Linienbusfahrer ein bisschen wildes Leben!