Hier ein klassisches Dilemma aus der Reihe "einerseits / andererseits": Einerseits sollte man bei neuen Begegnungen offen sein, ohne sofort seinen Partnerwunschvorstellungskatalog abzuhaken. Andererseits lässt sich das Mitdenken nicht ausschalten, so dass nebenbei automatisch eine kritische Würdigung des Gesagten, Getanen und des Gegenübers als Gesamtbild erfolgt.
Einerseits ist der Spannungsbogen aus "wow"-Eindrücken und "naja, das geht so" der Treibstoff dafür, dass einem neue Bekanntschaften gelegentlich im Kopf herumspuken. Andererseits ist die instinktive Reaktion, gerade wenn sie skeptisch ist, vermutlich völlig berechtigt und man sollte besser nicht zu weit in die (nur vermeintlich gemeinsame) Zukunft denken.
Und doch... ist es kurzweilig und unterhaltsam, also was tun? Ab in's Stroh(feuer) und sich austoben? Oder besser: marktorientiert denken und keine Zeit mit Dingen vertrödeln, die nicht ausreichend erfolgversprechend sind? Bloß das nicht: wer sofort aussortiert, was nicht der Zielerreichung dient, wird vor lauter Suche nach Glück die vielen kleinen ungeplanten Erlebnisse verlieren, die "nur" unterhaltsam, erfreulich oder interessant sind.
Vor diesem Hintergrund erscheint mir viel an der Internet-Partnersuche heutzutage zu hektisch: erst wird per Algorithmus die Kompatibilität geprüft, dann erfolgt eine 3-silbige Kontaktaufnahme und spätestens nach "Hallo" wird die Checkliste abgehakt: willst du Familie, rauchst du, wie groß/wie klein, wann treffen wir uns, passt nicht? -> sofort weiter, uff.
Fazit: Einerseits ist die Internetpartnersuche eine gute Option, um neben Job / bestehendem Freundeskreis und Hobbies neue Chancen zu eröffnen. Andererseits wirkt ein zu starker Fokus auf das große Ziel leicht wie Scheuklappen, die die Welt auf einen abgesteckten Korridor einengen - und das wird dem Leben nicht gerecht.