Bei einer Freundschaft steht man gelegentlich vor der Frage, wie viel Offenheit notwendig ist, und wie viel Taktgefühl zu Schweigen gemahnt. Seit Jahren im Freundeskreis streiten sich die Geister, ab welchem Punkt beispielsweise Alkoholgenuss schon über ein gesundes Maß hinaus konsumiert wird, und bis wohin es sich noch um lustige Partyleute handelt. Die Rede ist weniger von einzelnen Abenden, Gott bewahre! da bin ich schließlich selbst kein Kind von Traurigkeit; so ein ordentlicher Schwips darf manchmal schon sein. Allerdings werde ich dann auch eher sehr lustig, tanze wie ein Flummi und bekomme glorreiche Ideen. Leider gibt es auch andere, die in Gestik und Habitus aufdringlicher werden: zum einen, um andere unbedingt zum Mitfeiern / Mitgrölen / Mittrinken zu animieren, zum anderen um Frauen nah zu sein, und bei manchen wird dann die Feinmotorik sogar aggressiv. Jetzt, zur Wiesn-Zeit, kann man hierzu schöne Feldstudien unternehmen. Was mache ich, wenn ein guter Freund in seinem Feierverhalten von meinem merklich abweicht und mich die Situation einschließt? Taktvoll darüber hinwegsehen, ist ja sein Leben und Besuche sind in der Regel zeitlich befristet? Oder auch mal Kritik üben, und einen Streit oder Zerwürfnis riskieren? Bis wohin lege ich zu strenge Maßstäbe an und urteile über das mir zustehende Maß hinaus - und ab wo wäre es für eine echte Freundschaft zu unehrlich, alles für sich zu behalten? Im konkreten Fall habe ich mich dazu entschieden, recht deutliche Kritik zu üben, sofern es den Umgang mit mir persönlich betraf - alles andere hätte sich zu scheinheilig angefühlt.