Was macht einen Menschen für einen anderen interessant? Eine allgemeine Grundregel ist schwierig, also zunächst Annäherung über eigene Erfahrung... Und gleich mal die Fragestellung überdenken: geht es um interessant im Sinne von neugierig auf mehr Infos? Oder um interessant im entfernteren, beobachtenden Sinne... Starte ich doch mal mit der Bereitschaft, in Gesprächen / Treffen / Nachrichtenaustausch etc. mehr über jemanden zu erfahren, harmlose Neugier etc. Dann gilt: zum einen löst die vermeintliche "gemeinsame Wellenlänge" diese Motivation aus, also das teilweise Wiedererkennen von sich selbst in jemand anderem. Zum anderen Widersprüchlichkeit - erste Eindrücke in Sekundenbruchteilen, dann das Durchbrechen des erwarteten Musters. Und als dritten Faktor, aber das nun vermutlich sehr subjektiv geprägt: wenn jemand schnell im Kopf ist, schlagfertig und mit scharfer Beobachtungsgabe auf seine Umwelt reagiert. Das ganze eingerahmt in etwas, das ich "Präsenz" nenne: also die Souveränität, Willensstärke, Zielorientierung und Lockerheit, die sich ganz selbstverständlich eigenen Raum inmitten anderer schafft.
Bei der Joggingrunde kurz überlegt: wenn Widersprüchlichkeit anziehend ist, ist sie das nur für mich, oder gilt das auch bei anderen? Dieses "jemanden nicht in eine einzelne Schublade stecken können" gilt ja gemeinhin als Vorteil, aber: ist das intellektuelles Gerede oder gilt es nur für Frauen oder für aktuelle literarische Trends?