Schopenhauer, andere weise Köpfe und sogar meine Wenigkeit vertreten die Auffassung, dass man entweder im Stande ist, im Hier und Jetzt glücklich zu sein - oder nie. Will sagen: wer ausschließlich auf die Zukunft baut oder der Vergangenheit hinterher hängt, wird den erstrebten Zustand der Zufriedenheit nie erreichen. Entscheidend ist vielmehr, das Leben (fast) jeden Tag zu nehmen wie es ist, das Beste daraus zu machen, und es auch mal damit gut sein zu lassen.
Andererseits gibt es so Manches, das mit ein wenig Entwicklungszeit viel besser wird, als wenn es überstürzt angegangen wird. Zwickmühle: soll man jeden sich bietenden Genuss mitnehmen, weil man nie weiß, was das Morgen bringt? Oder lohnt es sich zuweil, kurzzeitig Verzicht zu üben, um später um so mehr Genuss zu erleben? Habe ich zu Unrecht gebremst, was sich zu entwickeln versprach, oder ist es umso besser, nicht gleich alles zu geben - sondern erst jemanden kennen zu lernen, seine Reaktionen zu erfahren, die aufkommende Vertrautheit zu genießen, und mit etwas Zeitverzug die Früchte zu ernten?
Oder ist das alles bereits viel zu strategisch (so der sachte Vorwurf)?? Immerhin das wüsste ich mit einem klaren "nein" zu beantworten: meinen Kopf kriege ich sowieso nie ausgeschaltet, also ist die Entscheidung in jedem Fall eine bewusste. Und diese gewollte Weichenstellung hat nichts mit "mit jemandem spielen" zu tun, sondern ist eher positiv behaftet: selbst im Fall eines Strohfeuers wäre der Schritt gut in Richtung mehr und richtig gut, im Fall einer aufkommenden längerwährenden Glut sogar nahezu ein Garant für längerfristige Entwicklungsmöglichkeit.
Schopenhauer wäre entsetzt, wenn er sich mit einer Blondine auseinandersetzen müsste - trotz vieler bemerkenswerter Denkansätze war er im täglichen Leben bestenfalls ein verkappter Chauvi, schlechtestensfalls ein Frauenhasser. Tja, mein Guter - darauf hast du jetzt keinen Einfluss mehr...