Im eigenen Freundeskreis sind ganz verschiedene Typen dabei, von extrovertiert bis schüchtern, von aktivem Outdoorfreak bis Couchpotatoe, von Kultur bis Kulturschock - und natürlich sind alle super. Völlig blind steht man seinen Freunden jedoch nicht gegenüber und es gibt auch Eigenschaften, die in Spitzenausprägungen nerven. Eine Freundin von mir braucht zum Leben offenbar immer wiederkehrende Kränkeleien und lebt davon, sich Dinge "fest vorzunehmen", die dann jedoch regelmäßig von äußerlichen Widrigkeiten untergraben werden. Anstatt "Augen zu und durch" werden unliebsame Beschäftigungen wie Prüfungsvorbereitung und gesundheitsfördernde Bewegung immer mehr aufgeschoben bis der Druck und die Versagensangst so groß werden, dass ein Reigen von Arztbesuchen losgeht und irgendwas lässt sich immer diagnostizieren, was dann als Ausrede für die Versäumnisse (Prüfungsvorbereitung und Bewegung) herangezogen wird. Jeder Mensch hat irgendwo seine Schwächen, bei denen er sich drückebergerisch verhält, keiner ist ganz ohne Hintertür. So sehr mich die Thematik jener Freundin teilweise nervt, so sehr muss mir doch heimlich eingestehen, dass als egoistisch-wohltuender Nebeneffekt das eigene Befinden neben ihren Lamentos steigt: gegen sie komme ich mir überaus aktiv, motiviert und locker vor, so als würde ich spielend leicht mit allem fertig, übergehe weltliche wie gesundheitliche Hindernisse mit einem Lächeln und erreiche meine Ziele fröhlich-locker und mit links. Peinlicher Verdacht: ziehen wir aus manchen Schwächen im Freundeskreis persönlichen Nutzen, damit wir uns daneben doppelt stark fühlen?