Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Als ich vor einigen Jahren in die Stadt zog, wollte ich eigentlich nach und nach mein Leben fester und fester verankern: von der Beziehung zur gemeinsamen Wohnung, von dort schien der Weg Richtung Hochzeit und Kinder vorgezeichnet. Halt, Stopp: Kinder wurden bereits nach einigen Monaten verworfen, stellten sie doch ein zu großes finanzielles Risiko für den "Geringverdiener" dar, der mit mehr als der Hälfte seines Einkommens im Spitzensteuersatz hing. Der erste Job war ein Drama mit mehreren hinderlichen Aspekten, wurde also getauscht gegen einen deutlich ruhigeren - im Vorstellungsgespräch war mir damals bereits wichtig, "endlich anzukommen" und mich in einer Firma zu verankern, in der ich die nächsten Jahre gut aufgehoben wäre. Was allerdings vorausgesetzt hätte, dass die Firma überhaupt weiter existiert, aber Schwamm drüber. Auch in anderen Bereichen kam alles anders: Umzugswagen statt Hochzeitsglocken, begleitet von ernüchternden Erkenntnissen über mögliche Untreue, Lügen und pikante Details hie und da.
Aber: Augen auf und durch, so schnell lasse ich mich nicht unterkriegen und rappelte mich wieder auf. Neue Wohnung, alte Freunde, neue Bekanntschaften. Unverändert blieb jedoch die heimliche und doch so hartnäckige Grunderwartung: dass mich das richtig gute, langfristige Glück noch findet. Natürlich gilt bis dahin, sich selbst glücklich zu machen, nichts zu erzwingen aber sich auch nicht zu vergraben, Bestehendes auszubauen, Neues auszuprobieren und möglichst viel davon zu genießen. Im Grunde war das begleitende Ziel, weiterzumachen wie bisher, nur irgendwie besser.
Vielleicht ist das aber die völlig falsche Herangehensweise: anstatt nur Freiheit in der Alltagsgestaltung (Theater, Ausgehen, Sport) zu genießen, während andere durch Familienbetreuung gebunden sind, sollte ich meinen Horizont erweitern. Der erste Schritt dahin ist die Urlaubsplanung: nach Jahren des Motorrad- oder Fahrradurlaubs geht es auf zu Neuland und neuer Herangehensweise - und es fühlt sich goldrichtig an.
Bei Männern sollte ich wohl auch die entspannte Herangehensweise, die ich so gern predige, stärker selbst ausleben: anstatt mich zu fragen, was zum H... ich mit einem 23jährigen will (worüber rede ich mit dem? was tun um den Abend rumzukriegen??) sollte ich mein Spießertum vielleicht mal zur Seite schieben und mich zurückversetzen: Mitte 20, noch nicht mit dem Studium fertig, Arbeit scheint eine ferne Drohung, Freizeit ist Alltag. Wovon träumt man in der Lage? Was will man vom Leben? Wie sortiert man sich in dem Dschungel aus Anforderungen, Traumvorstellungen und Geldbedarf? Anstatt krampfhaft attraktiv genug für so einen Youngster sein zu wollen (wie albern! und doch: wie leicht rutscht man da rein), soll mein Hormonhaushalt mal die Klappe halten und vielleicht bringt der Austausch einen längst überfälligen Perspektivenwechsel, wer weiß.
Auch andere Bereiche laufen gerade alles andere als nach Plan; war es eben noch holprig, so endet der Weg gerade in undurchdringlichem Dickicht. Erste instinktive Reaktion: Oh Mann, muss das sein! Da wollte ich doch eigentlich in Ruhe so weiter machen wie gehabt, Zeit für meinen Sport und meine Bequemlichkeit haben und nebenbei regelmäßig über Luxusprobleme wie Männerflaute oder Schneemangel lamentieren. Und dann das: ungewollt aufgerüttelt, zur Aktivität gezwungen, in die Unsicherheit falscher Entscheidungen geworfen und überhaupt - ist der gewohnte Trott doch so vertraut wie die täglichen Schlunzklamotten und die Sitzkuhle auf der Couch.
Und die Moral von der Geschicht: auch für jemanden, der Beständigkeit schätzt und sucht ist ein krampfhaftes Festhalten am Plan "Ankommen" in Zeiten des offensichtlich notwendigen Aufbruchs schlicht und ergreifend die falsche Wahl.
Na, dann mal raus zum Tanzabend, raus zum Studenten und raus in's Ungewisse!