Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Die besten Lügner sind die, die ihre eigenen Geschichten glauben. Es fängt an mit einer leichten Überdehnung des Tatsächlichen, steigert sich in Verfremdung der Wirklichkeit und kippt im Zeitverlauf in's Absurde. Spätestens dann steht ein normaler Mensch fassungslos davor: wie kann jemand ernsthaft glauben, dass er mit solch hanebüchenen Geschichten durchkommt? Ich meine hier nicht die üblichen Kleinigkeiten wie "Der Automat hat schon wieder meine EC-Karte geschluckt, aber ich will ja zahlen und bin auch voll kreditwürdig!", nein, ich rede von Phantasiegeschichten im Stil von "wir hatten eine Affäre und weil wir uns so ähnlich sind haben wir dabei festgestellt, dass wir Geschwister sind, die als Babies getrennt und von verschiedenen Familien adoptiert wurden."
Meist sind die Geschichtenerzähler charismatische Figuren, denen viel Erfolg zufliegt - bis die Fassade überspannt wird und Risse bekommt. Nach Fritz Riemann's Klassiker sind es die "Hysterischen", die durch den Erfolg ihrer Glaubwürdigkeit immer wieder dazu verleitet werden, sich aus den Konsequenzen eigener Fehlentscheidungen in eine Phantasiewelt zu flüchten, in der sie immer und alles richtig machen und in der sie sich die Welt so zurechtrücken, dass sie zum Herrscher über die Tatsachen mutieren.
Was sich mit solchen Leuten nicht lohnt: diskutieren, Verdrehtes richtig stellen, Historie beweisen - alles vergebens im direkten Austausch.
Viel besser: Konsequenzen ziehen, sprich: lächelnd davon ziehen und den Sumpf des verdrehten Phantasialandes hinter sich lassen.
... und bis dahin möglichst entspannt auf Durchzug stellen und so tun, als würde man an all die fliegenden Brathühner glauben, die einem der andere weismachen will.