Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Ah, herrlich, die guten alten Single-Zeiten leben wieder auf. Nach einer leicht irren Woche (beruflich, erfolgreich und überhaupt) war längst überfällig: ein Abend in der Lieblingsbar. Wie zuletzt fast schon regelmäßig war der Barkeeper gut drauf, die Bedienung schloss mich in die Arme und dann war da noch der smarte Typ auf dem Barhocker neben mir. Der Plan, endlich durch die Feuilletons der letzten Tage zu schmökern, hielt genau eine halbe Seite lang, danach übernahm die Konversation das Kommando. Nach Versuchen in deutsch (seinerseits: gar nicht schlecht, bemüht, aber anstrengend), spanisch (meinerseits: gar nicht gut, bemüht, sehr anstrengend), italienisch (hält ein paar Sätze, aber nicht den Abend lang) kapitulierten wir vor den höheren Bildungszielen und trafen uns mit Englisch in halbwegs verständlicher Unterhaltung. Es war unerwartet, nett, bei näherer Betrachtung war ein Hobbysportler unter dem Hemd erkennbar und sehr erfolgreich in beruflicher Hinsicht war er auch, also eigentlich ein Gewinn. Wäre da nicht die Tatsache, dass uns noch vor Mitternacht entspannte Langeweile drohte, zumal er offenbar auf der Suche nach einer Frau und der Zeugung eines vierten Kindes ist. Nein Danke, du bist sicher ein guter Fang, aber lieber stelle ich dich meinen Freundinnen vor (vielleicht ist eine die Richtige?) als dass ich darauf anspringe. Und doch: war die Verabschiedung an der Straßenecke per Handschlag unerwartet distanziert. Lächelndes Winken hätte ich weniger ablehnend empfunden, die Hand reiche ich beruflichen Kontakten und den Eltern von Freunden, aber einem Mann, mit dem man drei Stunden angeregt geplaudert hat? Glaubt der Typ, ich höre mir völlig umsonst seine Lebens-Ehefrau-Trennungsgeschichte an??
Es wäre leicht, sich künstlich über die Flirtwelt auszulassen, aber tatsächlich kann ich mich nicht beschweren: ich hatte einen herrlichen, unterhaltsamen und musikalisch interessanten Abend in der Bar. Darüber hinaus habe ich in der vergangenen Woche sonnige Skitage genossen, zwei Job-Angebote erhalten, unzählige Zahlen jongliert und nebenbei die Konzern-Welt gerettet, ich wurde bewundert und becirct und habe dem Barkeeper das Versprechen abgenommen, dass er mich nur dann an den Sänger verschachern darf, wenn mindestens zwei Kamele geboten werden (drunter läuft nichts!). Also winke ich gedanklich dem smarten Argentinier von gestern hinterher (pah, von wegen Handschlag) und trete fröhlich pfeifend den Weg zur heimischen Couch an. Immerhin muss ich mangels näherer Bekanntschaft auch nicht die gelegentlich peinliche Frage erklären, warum ich in der Bar immer noch unter meinem Spitznamen firmiere...