Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Bei der längst überfälligen, im besten Sinne hinausgezögerten Lektüre von Svenjas 26. Tag der Irlandreise fielen mir eigene Reisen aus früheren Jahren ein. Und die Neugier, die wie ein Gummiband ist, dass einen an neue Orte zieht. So, wie ich vor Jahren meinem ersten Fahrrad ohne Stützräder die Welt zeigen wollte und das flache Gefälle des Rheins nutzte, um von Wiesbaden nach Rüdesheim zu fahren - nur, um dort angesichts der überladenen Drosselgasse mit Schnick, Gedöns und asiatischen Touristen schnell wieder aufzubrechen. Und dann in das fast völlig verschlafene Bacharach auf der anderen Rheinseite zu radeln, ein einfaches Gästezimmer zu beziehen und beim Abendessen zwischen Eisenbahn und Berghängen festzustellen, dass die "uff der eebsch Seid" (auf der weniger guten Seite) des Rheins eben doch hervorragenden Riesling hinkriegen, dem die lokalen Gasthäuser auch noch wundervolles Essen zur Seite stellen. Wer also nicht nur neugierig in die Welt startet, sondern dann auch noch über das erste Ziel hinaus kommt, der erlebt die ganz persönlichen Highlights, die keine "Geo"-Ausgabe und keine durchorganisierte Busrundreise liefern können.
Daraus folgt: nie aufhören, anzufangen - neue Wege, neue Länder, neue Kulinarik, neue Leute. Egal, wie viel PS oder Pedalkraft ein Gefährt hat, egal ob nah oder fern, einfach losziehen ist der Trick. Ob unterwegs der Abstecher ins Altmühltal ("Das soll doch so schön sein...") oder weit weg der Backpackingurlaub nach Asien (anhaltender Einfluss auf mein Leben, wer hätte das gedacht) - immer wieder auf's Neue in's Neue springen macht nachweislich glücklich.
Was mich prompt zu der Frage bringt: wie ist das, wenn es gar nicht so leicht ist? Wenn die Kinder im Robinsonclub doch so gut aufgehoben sind oder der Partner das klimatisierte Cabrio der Enduro vorzieht?
Wo ist die Grenze zwischen unabhängig und abgehängt?
Sollte man ein Urlaubs-Tage-Budget vereinbaren, dass jedem ein Kontigent fester Tage pro Jahr zugesteht, mit dem er machen kann, was und wann und wo er will? Und mit wem? Oder ist das nur das Hinauszögern der Erkenntnis, dass der Zusammenschluss mehrerer Menschen immer in die gleiche Richtung laufen muss, damit es das WIR nicht auseinanderreißt??