Tänzer sind eine faszinierende Sache - man weiß vor dem Tanz nie so recht, welchen Teil aus der Büchse der Pandora man gerade erwischt hat, es ist wie blind in eine Kiste greifen und auf gut Glück etwas herausziehen. Das einzige, worauf man sich verlassen kann, ist die übliche Verteilung an Tanztypen, die sich in den Salsa-Locations aller Städte gleich darstellt: 5-10% sind richtig gute und "störungsfreie" Tänzer, 5% sind eine Karikatur ihrer selbst, 15-20% nutzen die Tanzfläche, um Frauen mehr oder weniger offensiv zu betatschen, 20% sind typisch deutsch, hoffnungslos untalentiert, verklemmt und unsicher, und der Rest liegt im Mittelfeld und ist nicht sonderlich auffällig. Nicht von ungefähr entstehen automatisch Spitznamen, anhand derer Frauen sich untereinander über die Qualität der Anwesenden austauschen: "Käse-Chang" beispielsweise tanzt großartig, was bei Asiaten nicht gar so häufig vorkommt, riecht aber etwas streng; der "Zeltmensch" steht eigentlich nur massig da in seinen bunten, umfangreichen T-Shirts, führt aber überraschend gut, auch wenn sein gelegentliches Grunzen irritiert; die "Monster" sind 4 recht unansehnliche Brüder, mit denen man tatschi-bedingt Merengue vermeiden sollte, die aber für Salsa super sind, usw.
Gestern konnte ich Schlimmstes vermeiden, indem ich dem "Rentner" gleich 2x einen Korb gab und dem "Toupet" auswich, so dass der seltsamste Tanz mit einem Südstaaten-Sklaven-Drama-Typ stattfand, der die wildromantische Musik des Pachata immer wieder mit lauten "Ahh!"-Rufen oder Rap-ähnlichen Elementen (leider völlig am Takt vorbei) durchbrach.