Wenn man bedenkt, was für verschiedene Aspekte in einer Beziehung zusammen treffen, ist der Glaube an das Gelingen von "spannender Harmonie" recht erstaunlich. Zum einen werden wir stärker angezogen, wenn der Gegenüber uns nicht zu ähnlich ist, sondern abweichende Eigenschaften hat - und somit etwas Spannendes mitbringt, das sich zu entdecken lohnt und neue Erfahrungen verspricht. Mit all diesen Kontrasten sollen wir ihn dann genau so lieben wie er ist, und zwar ohne jeglichen Änderungswunsch. Schließlich jedoch keimt - mal früher, mal später - der Wunsch auf, das Leben zu teilen und zu etwas Gemeinsamen zu machen. Und schon werden die Widersprüche lästig, muss sich doch jeder etwas zurücknehmen, um Raum zu schaffen für ein gemeinsames Leben.
Spätestens beim heiklen Thema Zusammenziehen werden die notwendigen Kompromisse greifbar und die Harmonie angreifbar. Sei es das Möbelsammelsurium, der Tagesrhythmus oder der haushaltliche Alltag, auf Dauer ist es irrsinnig schwer, das Anderssein des Anderen weiter zu genießen.
Auch wenn sich vieles einspielt, kann ich mir im Moment nicht vorstellen, das "Meins!" in meiner Wohnung, meinen liebgewonnenen Gewohnheiten und meiner Freizeitgestaltung wieder aufzugeben - zumal einsame Momente viel seltener geworden sind, seit ich wieder Single bin.
Und: es ist herrlich, morgens ohne Kommunikationszwang in den Tag zu starten. Das Radio mit dem bevorzugten Sender laufen zu lassen. Je nach Lust und Laune auch mal aufzudrehen, laut mitzusingen und beim Hausputz quer durch die Räume zu tanzen. 4 Folgen Dr. House am Stück zu sehen oder Junk-MTV ungläubig zu bestaunen. In aller Ruhe zu telefonieren. Lauter leckere Sachen zubereiten und dann häppchenweise den Kühlschrank plündern (ohne Futterneid). Und so vieles mehr!