Vor langer Zeit las ich irgendwo Gedichtfragmente mit der Aussage "... dann soll am Ende meines Lebens kein Fragezeichen stehen, sondern einfach ein Punkt." Habe es damals schon nicht so recht verstanden, inzwischen kann ich es klarer fassen: Auch wenn ich die Frage nach dem allgemeinen Sinn des Lebens nicht beantworten kann, kenne ich doch mittlerweile meine eigenen Erwartungen ganz gut. Und während andere etwas schaffen / aufbauen / zeugen / erbauen / manifestieren wollen, ist mir das alles gar nicht so wichtig. Ich brauche keinen Nachwuchs, keine Eigentumswohnung, kein Reihenhaus und keine Eiche im Garten. Aber ich habe viel erreicht, wenn auch nach meiner Zeit noch Fragmente von mir erhalten bleiben, am liebsten in Form von Anregungen, Einflüssen, vielleicht einem leisen Lächeln - und die höchste Ehre ist das Hinterlassen eines Fragezeichens. Fragen regen zum Denken an, zum Perspektivenwechsel, zur Neugier, zur Suche. Und während Antworten häufig überschätzt werden (bleiben sie doch recht eindimensional), reichen Fragezeichen viel weiter, ohne dabei die Richtung vorzugeben. Nicht umsonst gibt es große Fragen der Menschheit, während die Antworten sich viel zu häufig selbst überholen...