Machtgefälle haben den Menschen schon immer missfallen, scheinen jedoch unausweichlich und wurden im Entwicklungsverlauf der Zivilisation mehr und mehr institutionalisiert. Ob in Auseinandersetzungen mit der Bahn, dem Liefer"service" der Post oder dem Finanzamt, immer wieder möchte man als Normalsterblicher in die Tischkante beißen angesichts starrer Ignoranz und trainierter Dummdreistigkeit der scheinbar übermächtigen Behörden. Als letzte Hintertür verbleibt den meisten Menschen nur der stille Protest durch gelegentliches Unterlaufen der deutschen Mülltrennung, es lebe die Alltagsrevolte! Im Verhältnis Finanzamt - Steuerzahler sind Machtgefälle und Intelligenzgefälle gerne gegenläufig, was zu vielen langwierigen Telefonaten, Briefwechseln und formalen Anträgen führt. Das Amt demonstriert seine Goliath-Position, indem es mündige Bürger ermahnt, bestimmte Unterlagen binnen bestimmter Frist einzureichen. Umgekehrt nimmt dann jedoch die Bearbeitung mehr Zeit in Anspruch als dem Bürger zur Durchsicht seiner geordenten Waschzettelbox gewährt wurde, weil erst mal die zuständige Halbtagssachbearbeiterin der Hauspost 4 Wochen in Kur geht, die Frühstückspause nicht ausgelassen werden darf und jedem Beamten an seinem Geburtstag ein halber Tag extra-frei zusteht. So bleibt die Spannungskurve lange erhalten, es ist wie Krimi eines mittelmäßigen Nachwuchsregisseurs: so lange die Antworten auf die Fragen ausbleiben wird eine Unsicherheit erzeugt, die spannend wäre, wenn es sich um einen guten Plot handeln würde.