Gestern hielt mir ein Mann im Biergarten einen Vortrag darüber, dass eine Beziehung Liebe, Nähe und Geborgenheit bedeutet und jeder, der nicht mehr oder weniger dringlich nach einer solchen sucht einen Schaden hat. Umso bedenklicher finde ich, dass in seiner eigenen Partnerschaft die drei genannten Komponenten wohl nicht gerade per Füllhorn vorhanden sind - schließlich hat er irgendwann ohne größeren Hinweis den Tisch verlassen und ward nicht mehr gesehen, während seine Freundin sich bierselig zuerst an einen, dann einen anderen Bekannten hing. Es traten Abgründe auf wie unerfüllter Kinderwunsch, Trostbedürfnis und Eheverweigerung, es endete (zumindest solange ich noch dabei war) damit, dass sie sich dem hässlichsten aller Anwesenden an den Hals warf. Warum sich das so abfällig anhört? Weil sie mir einerseits leid tut, ich aber andererseits denke, dass manche Probleme besser nicht vor Fremden wie Freunden auf einem Millionen-Volksfest ausgelebt werden müssen, denn 1. stellt sie ihren Freund bloß (was respektlos ist und für mich klares Signal für das Ende einer Beziehung), 2. bringt sie ihre Freunde in die Bredouille, die zwischen Ehrlichkeit dem Freund gegenüber und Schweigen gefangen sind und 3. nutzt sie den Bedürftigsten aller möglichen aus, der ohnehin schon verunsichert vom Leben ist und für sie leichte Aufmerksamkeitsbeute darstellte - was auch nicht nett ist, weil sie ihn nur angetrunken und frustriert in Erwägung zieht, sonst aber nicht.
Klar hatte auch ich schon Dramen, Szenen, öffentlich sichtbare Missstände und nehme insgesamt eher selten ein Blatt vor den Mund. Aber ab einem gewissen Punkt ist die Reihenfolge eben doch wichtig: wenn's so schlimm ist, dann erst aktuellen Mann verlassen, anschließend neue mögliche Männer antesten und beim Trostsuchen nicht immer nur die Schwächsten ausnutzen. Aber das ist nur meine Meinung...