Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Eigentlich über einen Nebenschauplatz kam das Thema auf Ängste: jeder hat welche und wenn nicht, kann das nicht gesund sein. Angst ist ein Grundinstinkt, der Überleben sichert und Reaktionen beschleunigen oder verlangsamen kann. Ein Mensch ohne Ängste löst umgehend Assoziationen aus mit Begriffen wie Verdrängung, Neurose, Psychose, oder anderen ausgleichenden Abgründen. Frei nach Fritz Riemann sind alle Ängste eines Menschen auf bestimmte Grundformen zurückzuführen und je mehr ich mich mit dem Thema auseinander setze, um so mehr stimme ich zu.
Der Mensch neigt im Allgemeinen dazu, unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen. Im Lauf der Zeit lernt jeder, was für ihn unangenehm ist, und weicht aus - normales und verständliches Verhalten, und doch auf Dauer zu eingefahren. Je mehr man sich von seinen Ängsten fern hält, um so mehr Raum können sie einnehmen: aus konkreten Kleinigkeiten werden abstrakte, vage Vorstellungen und die Phantasie kann zu weiteren Auswüchsen führen.
Es lohnt sich daher, in unregelmäßigen Abständen eine Annäherung zu wagen. Solange man nicht von einer bestimmten Angst beherrscht wird und Alltagseinschränkungen hat (bspw. bei ausgewachsenen Phobien), muss die Angst gar nicht vollständig abgebaut werden. Sie sollte jedoch auf ein normales, überschaubares Maß zurückgestutzt werden, wie eine wuchernde Hecke, die den Blick auf die tatsächlichen Begebenheiten versperrt oder verzerrt. Großartigerweise führt jede kleinere Angst-Überwindung zu einem positiven Nebeneffekt in allen anderen Bereichen:
Als ich vor Jahrzehnten an der Bewältigung des Motorradführerscheins oder vielmehr des schleimigen Fahrlehrers zu scheitern drohte, kamen mir ein Kran, 60m Höhe und ein Gummiseil gerade recht. Nach dem Schritt in's Leere und dem erfolgreichen Bungee-Sprung war die Fahrprüfung halb so wild und ich hatte im ersten Anlauf den Führerschein in der Hand.
Die Auseinandersetzung im Urlaub mit der Fauna im Allgemeinen und dem Krabbelgetier im Besonderen gab der Begegnung mit beruflichen Widersachern die notwendige Gelassenheit.
Und die Moral on der Geschicht?
Nicht Verneinung, sondern Annahme; nicht Ignoranz sondern Auseinandersetzung sind bestens geeignet, dem Leben mehr Würze und sich selbst mehr Power zu geben.