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Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.

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Frau allein unterwegs: Heels on Wheels Erfahrungsschatz

Svenja hat mein Erinnerungsvermögen angestubst, und so gibt's hier die blonden Blickwinkel auf die Welt der Alleinreisenden. Nach mehreren Jahren mit mehreren Touren allein per Motorrad wurde ich zum Profi in Sachen Maschine packen und los!

Als Organisationsfreak habe ich natürlich eine Packliste, die über Jahre optimiert wurde - denn wer einmal eine 100-Liter-Packtasche randvoll gestopft hat weiß: die will sie nie wieder in den 3. Stock eines klapprigen Hotels tragen! Wundert mich bis heute, dass die Tragegurte nicht an den Plastik-Karabinern zerbrochen sind...

Schön ist die Aufregung vor dem Losfahren - wenn das fehlt, stimmt was nicht. Überlegungen über schöne Strecken, schöne Gegenden, schönes Wetter, schöne Strände. Lust auf Erkundungstouren. Schmökern in Reiseführern oder Zeitschriftenberichten. Zusammensuchen aller eventuell benötigten Reisekarten, grobes Durchplanen der ersten Tage. Und dann: früh morgens die Maschine beladen, kurz innehalten und denken: Baby, es geht los! und ab...

Man braucht meistens ca. 2 Tage, um sich an das Allein-Reisen zu gewöhnen. Ich verwöhne mich in der Gewöhnungsphase gern und suche mir als 1. Etappenziel ein ruhig gelegenes Hotel mit Charme. Frühestens am zweiten Tag empfiehlt sich der Aufenthalt in einer größeren oder Touri-überlaufenen Stadt, erst ist in-sich-selbst-ankommen angesagt für die nötige Gelassenheit - sonst kann man den Urlaub nicht genießen.

Als Frau per Motorrad reist ein Riesen-Vorteil mit: das negativ-Klischee von übellaunigen, saufenden, pöbelnden Moppedfahrern kommt keinem in den Sinn, statt dessen habe ich viele spontane Begegnungen mit neugierigen Menschen aus aller Welt gehabt. Vor allem Rentner sind aufgeschlossen und sich nicht zu fein, einen auszufragen. Und irgendwer von der Kaffeefahrt-Rundreise ist im letzten Krieg und/oder in seiner Jugend ja auch mal mit dem Motorrad... und dann kommen sie in's Schwärmen und der Busfahrer muss 3x hupen, bevor alle wieder weiter können.

Am schönsten sind spontane Tour-Entwicklungen: beim Abendessen ist man genau richtig beschäftigt, indem die Strecke (wetterabhängig) für den Folgetag geplant wird. Einfach treiben lassen, Empfehlungen von unterwegs mitnehmen, Tipps aufschnappen, das ist am Schönsten. Leider kann gerade bei Hitze oder Sauwetter die abendliche Hotelsuche ganz schön nervig sein, daher habe ich manchmal per Internet für den Zielort über HRS vorgebucht: ein feste Adresse findet sich schneller als die Suche nach einem passenden und preislich akzeptablen Hotel. Schönere Entdeckungen gibt's allerdings bei Suche auf eigene Faust vor Ort, oft billig und manchmal skurril. In allen Fällen war mir als Frau eins wichtig: ich will nachts eine Tür hinter mir abschließen können, Camping allein ist nicht. Zumal mein Gepäckberg nicht auch noch ein Zelt + Kocher + Standspiegel verkraftet hätte...

Bewährt hat sich: Wechsel aus ruhigeren und trubeligen Orten, ganz toll ist die Entdeckung eines wunderschönen, günstigen Hotels mit herrlichem Innenhof, das sich perfekt an die schönste Tagesstrecke der ganzen Provence anschließt - und das außerdem 30m vom Strand entfernt liegt, hach... Tagsüber rechts-links wie im Rausch und spätestens um 17.00h ab in's Meer und die Restwärme des Strandes genießen, abends eine Flasche Wein mit anderen Hotelgästen im Innenhof aus Zahnputzbechern teilen und nach 2 Tagen weiter ziehen.

Immer dabei: jederzeit wieder gehen bzw. weiter fahren können. Gelernt: es gibt Gegenden, die passen nicht zu mir, nicht zu meinen Reifen, nicht zu meinem Schwerpunkt und schon gar nicht zu meinem Stil. Ich erinnere hiermit an die betrunkenen Pauschaltouristen auf Istrien und den fiesen, rutschigen Asphalt mit heftigem Vorderradrutscher und halbem Herzinfarkt, nein danke... Dann gilt: nicht eisern an alten Plänen festhalten, auf zu neuen Gegenden und im letzten Zipfel von Slowenien, nach vielen "überzeugt-mich-nicht"-Orten endlich ankommen: ja, dieser See vor diesen Bergen mit diesem Hotel - das habe ich gesucht! Einchecken, baden gehen, alles wieder genau richtig.

Was hilft: in Ländern unterwegs sein, deren Sprache man spricht. Gerade die älteren Einheimischen sind oft für einen Schwatz zu haben und können schöne Orte empfehlen. Da es von "Assimil" jedoch kein Slowenisch-Buch gibt, habe ich festgestellt, es geht auch ohne Landessprache.

Die beste Erkenntnis: Losfahren lohnt sich - immer!

Auch Jahre später denke ich stolz und schmunzelnd an Schneefall mit Murmeltieren auf Passhöhe zurück, an gelöste Auspuffschraube im militärischen Sperrgebiet in Frankreich, an die überraschende Freundschaft am Lac de Madine, an die Hilfsbereitschaft von Fremden und Bekannten in Norditalien, an die Rentnergruppen auf allen Pass-Parkplätzen der Dolomiten bei der "Chickentour", an den besch... Tag in den französisch-italienischen Seealpen, der auch irgendwie ein gutes Ende fand - und an all die Nächte, in denen der Traum den täglichen Kurvenrhytmus einfach fortsetzte...

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S
<br /> Du hast das so klasse geschrieben, dass ich ganz hin und weg bin. GENAU so möchte ich es erleben und genau so habe ich es ja teilweise auch gerade erlebt. Nur das Wetter war mies und ich war noch<br /> nicht so selbstsicher, wie du das auf deinen Touren vielleicht bist.<br /> Welche Maschine hattest du und fährst du heute gar nicht mehr mit dem Motorrad in den Urlaub?<br /> Ziemlich hingerissene Grüße,<br /> Svenja<br /> <br /> <br />
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B
<br /> <br /> Süße, jetzt bin ich ganz rot <br /> <br /> <br /> Mein Baby ist eine Triumph Sprint RS (RS steht hier für RennSemmel) und sie war Liebe auf den ersten Blick und die erste Fahrt und auch noch viele weitere Fahrten - eine Sahneschnitte! Mein<br /> letzter Urlaub damit war letztes Jahr, die größten Highlights waren jedoch früher: als ich nach und nach diese Urlaubsart lieben lernte und Tücken zu meistern waren und Endorphine als Belohnung<br /> winkten. Kein Wunder, dass ich so gespannt auf deine weiteren Berichte bin, finde ich doch viel davon wieder.<br /> <br /> <br /> Also: so weiter, wir sind nämlich großartig!<br /> <br /> <br /> <br />