Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Neulich las ich ein Buch, das einen auffallend positiven Eindruck hinterließ – die Autorin ersparte sich die Beschreibung jedweder unangenehmer Aspekte (tiefenpsychologische Katastrophen ausgenommen) und hob bei jeder auftauchenden Figur die positiven Eigenschaften hervor. Am Ende der Lektüre hatte der Leser (ich) das Gefühl, dass die Welt voll von interessanten, freundlichen und ausgeglichenen Menschen ist. Toll, dachte ich, so positiv möchte ich auf meine Umwelt auch wirken!
Nur: bin ich imstande, ein kritikloses Leben zu führen?
Wohin dann mit der beißenden Ironie, dem Zynismus, dem Spott, der scharfen Zunge? Was wird aus dem subtilen schwarzen Humor?
Und: hört meine Nase auf, unangenehm riechende Mitmenschen wahrzunehmen, wenn ich mich auf ihre vermeintliche innere Schönheit konzentriere?
Unwahrscheinlich, dass die Autorin des oben erwähnten (autobiographischen) Buchs auf ihren Reisen nur ausgesprochen gepflegten Leuten begegnet ist, die ihr nie zu nahe kamen und sich immer höflich zurückhaltend verhielten. Also: wurden die Aspekte von lärmenden, müffelnden Menschenmengen, von schimpfenden Reisenden und dreckigen Wartesälen einfach totgeschwiegen?
Und: hilft das??
Ich glaube, es lohnt sich, gelegentlich inne zu halten, um nicht in den Sog der ewig Nörgelnden (Kollegen / Mitreisenden / Passanten etc.) zu geraten. Aber ganz abschalten lässt sich das Wahrnehmen kritikwürdiger Umstände dadurch natürlich nicht - also bleibe ich dabei, das Blog als Ventil für die kleinen Aufreger des Alltags zu nutzen, um nach der online-kritischen Würdigung von Pappnasen, Kommunikationsmuffeln oder anderen Idioten dieses Planeten (habe ich schon Männer im allgemeinen erwähnt?) beseelt lächelnd und voll von gutem Karma durch die Welt zu schreiten.