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Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.

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Wann ist das nochmal passiert?

Ab und zu passiert es: im Radio läuft ein "alter Kracher", den man in der besten Teenagerzeit gern und oft und laut und laut mitgrölend gehört hat. Und während Bryan Adams und Tina Turner sich noch anbrüllen "It's only Love", kurzes Innehalten:

Früher war die Liebe eine Naturgewalt, die ungefragt über einen hereinbrach. Man liebte, leidenschaftlich, man litt, mit der besten Freundin und einer Flasche billig-Sekt, man war überwältigt. Nicht mehr und nicht weniger. Natürlich war die erste große Liebe "für immer", da konnte man sich auch gleich verloben, war doch ohnehin unvorstellbar, dass danach noch was anderes nachkommen sollte. Das Hier und Jetzt nahm einen voll in Anspruch, viel Zeit für gestern und morgen blieb da nicht, schließlich war Schlafentzug dank Party-und-Schule ein ständiger Begleiter, der allzu tiefes Grübeln auf ein gesundes Maß beschränkt hielt.

20 Jahre oder 2 Jahrzehnte später hat sich viel verändert.

Früher war man selbstverständlich bereit,  DEM MANN (= der großen Liebe, drunter lief nichts, und sei es auch nur für wenige Wochen) bis an's Ende der Welt zu folgen. Heute ist das im Prinzip auch noch möglich, aber man guckt sich schon sehr genau an, für wen oder was oder welche PERSPEKTIVE die Lebensversicherung oder die eigenen 4 Mietwände aufgegeben werden.

In der Generation meiner Eltern wurde zunächst konservativ gelebt und Familie gegründet, dann kamen die Männer in die Vierziger (damals = alt, Kinder schon aus dem Gröbsten raus und das Haus fast abbezahlt), bekamen ihre Midlife-Crisis und schafften sich wahlweise Geliebte und/oder teure Fahrzeuge an. Blieb das aus, bekamen einige Zeit später plötzlich die Frauen ihren Rappel, mussten sich unbedingt selbstverwirklichen und buchten Kurse zwischen VHS und Esoterik. Einige verließen ihre Männer, namen Künstlernamen an und wurden zu verschrobenen, alternativen Batik-Zicken.

Meine Generation hat sich gehütet, diese klaren Rollen zu erfüllen: Heirat vor 30 war lächerlich, Männer gehen Bindungen aus dem Weg und wollen erst mal leben / Karriere machen / die Welt sehen. Was mit einer Frau an ihrer Seite scheinbar undenkbar ist, aber was weiß ich schon davon. Die Frauen widerum gehören zur alle-gut-gebildet-Generation und streben Studium, Karriere und ein eigenständiges Leben an. Viele haben von ihren enttäuschten Müttern (die entweder betrogen wurden oder zur Esoterik-Selbstverwirklichung neigten, s.o.) als wichtigsten Leitsatz mitbekommen: nie auf einen Mann verlassen, sonst wirst du verlassen. Immer selbständig und unabhängig bleiben und nichts geht über eine gute Ausbildung und einen sicheren Job mit Aufstiegschance. Wir haben sozusagen schleichend nach Verlassen des Teenageralters mit der Umsetzung der Schrullen begonnen: die Männer wollen die Midlife-Crisis vermeiden, indem sie sich von vorneherein alle Möglichkeiten offen und alle Sekretärinnen (ach nein, die wurden ja abgeschafft...) warm halten. Die Frauen strickten direkt nach dem Abi bereits an ihrer Selbstverwirklichungsmasche und hüteten sich, nur noch Haus und Kinder zu hüten.

Wundert da noch jemanden, dass es heutzutage lauter "junggebliebene" Dauersingles gibt, die mit 40 plötzlich feststellen, dass sie alles verpasst statt alles erlebt haben?

Von Naturgewalten in Sachen Liebe redet längst keiner mehr...

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