Das Internet verdirbt den Charakter! Nach einem fleißigen Wochenende dachte ich, ich surfe zur Entspannung ein wenig in der einschlägigen, partnersuchenden Onlinewelt, aber mit Entspannung hat das weniger zu tun als mit Wahl-Einsamkeit als sofortiger Reflex-Reaktion.
Eingegangene Nachrichten waren nur bedingt spannend, also spaßeshalber per Zufallsgenerator die Fotos der regional verfügbaren Zielgruppe durchgeklickt. Und weil Frauen nichts ohne Hintergedanken tun, wird nebenbei (wie praktisch) auch gleich sondiert, was aus den abgelegten Exemplaren geworden ist: ich hab's ja gewusst, der Frosch sucht gerade nicht, was im direkten Umkehrschluss bedeutet, dass er zeitweilig etwas gefunden hat. Und ansonsten: reduziert diese Bildklickerei derartig auf den optischen Eindruck, dass frau das kalte Grausen kriegen könnte: 85% aller registrierten User fallen schlagartig aus dem Raster: vom Partyhengst über eitlen Mucki-Beau bis zum kalten Designhelden ist es zwar kein Schmerz für's Auge, aber bei aller Liebe zu gutem Aussehen: ob meine Eitelkeit da auch nur annährend mithalten kann, muss ich stark infrage stellen. Und dann kommt der sehr, sehr große Anteil derer, die so aussehen, wie man als Kind die Erwachsenen wahrgenommen hat: langweilig, in die Jahre gekommen, spaßbefreit, bierbäuchig, über-die-Stirn-gekämmte-Haare und mit einem Hauch von Gelsenkirchener Barock.
Ja, ich bin eine Frau, das heißt: ich bin schwierig und ich habe Ansprüche - an die Helden für den zweiten Blick, die irgendwo zwischen markantem Äußeren und aktiver Lebensfreude noch eine Spur Charakter bewahrt haben.
So schön es ist, dass bei einer Zielgruppe von 40 aufwärts mehr gelebtes Leben durchscheint als bei undefinierten Zwanzigjährigen - ich glaube, Fotosuche ist einfach nichts für mich, diese zweidimensionalen Eindrücke frustrieren manchmal mehr als sie helfen...