In den letzten Monaten bekomme ich immer häufiger zu hören, dass ich unkompliziert bin. Und ehrgeizig. So schön es ist, dass die Zickenallüren sich mit Beendigung der Ursache recht schnell erledigt haben, so erstaunt es mich dennoch, dass ich das Prädikat "unkompliziert" erhalte. Noch viel schlimmer: die meisten Männer stehen auf komplizierte Frauen, also ist es nicht gerade ein Kompliment... Bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Der zweite Punkt, "ehrgeizig" ist ebenso verwunderlich: schließlich hätte ich am liebsten einen stressfreien (gern überbezahlten, mindestens jedoch gut bezahlten) Job und liebe meine Couch, was ich selbiger durch stundenlanges Rumschlunzen auch häufig genug beweise. Nur wegen dem bisschen Sport und dem Triathlon bin ich doch nicht ehrgeizig?? Meine 20.-von-hinten-Zielergebnisse untermauern die Annahme, dass ich nur zum Vergnügen vor mich hin sportel und nicht allzuviel gezieltes Quäl-Training absolviere. Also, wer verkennt mich hier eigentlich? Der Rest der Welt - oder ist meine eigene Wahrnehmung zu trübe? Zugegeben: die ruhigen Jobs in korsettstarren Blockadeumgebungen habe ich wohl zu selten angenommen. Und die paar sportlichen Wettkämpfe, zu denen ich mich angemeldet habe, sind nicht mehr ganz im üblichen Rahmen eines ich-halte-meine-Figur-Blondchens. Aber deswegen gleich Ehrgeiz diagnostizieren? Vielleicht ist es auch der ewige Drang, mehr vom Leben zu wollen - und solange es nicht möglich ist, mit einem Traumpartner das Happy End der Häuslichkeit zu zelebrieren, verlege ich mich eben von Entenbraten-Verwöhnrezepten und romantischen Kuschelstunden auf Auspowern und Durchbeißen. Es sind eben nicht mehr die Fünfzigerjahre, in denen wir leben...