Jeden Tag oder jede Woche: semi-philosiphische Erkenntnisse über das Leben, die Liebe und die Party.
Jahrelang, ach was: Jahrzehnte lang war ich verunsichert genug, um viele Dinge nicht anzupacken. Mangels Zutrauen zu meinen Fähigkeiten, also letztlich zu mir selbst, was rückblickend ganz schön traurig klingt. Frustrierend fand ich es damals auch, hielt es aber für "das ist nun mal so", also exogen verursacht, außerhalb meiner eigenen Möglichkeiten.
Das waren zumeist Kleinigkeiten: Einen ganzen Tag die Ardèche runter paddeln? Traute ich mir nicht zu, schließlich war "unsportlich" noch die entspannteste Umschreibung für wenig Lungenvolumen, hohen Puls, kleines Herz. Mit dem Rucksack durch Asien / Südamerika oder andere ferne Länder? Liegt mir sicherlich nicht, machen andere, wildere Leute, die nicht so ängstlich sind wie ich. Beruflich Selbständige? Fand ich schon immer irgendwie beeindruckend, hielt mich selbst aber für "so einen sicherheitsbewussten Typ Mensch", der sein Leben lang an der Festanstellung klebt.
Irgendwie hat sich das langsam und schleichend ganz anders entwickelt und nun bin ich bereits seit einigen Jahren fest davon überzeugt: Jeder kann alles! Wenn ICH das schon schaffe, was ich früher für unmöglich hielt, dann kann das jeder andere auch, schließlich bin ich ja gerade mal entspannter Durchschnitt mit meinen Fähigkeiten, bin doch ein ganz normaler Mensch und noch dazu ein Mädchen.
Mit dieser Entwicklung meinte ich eigentlich, niemandem voraus zu sein, schließlich hatte ich selbst eher das Gefühl, endlich aufgeholt zu haben. Umso erstaunter lerne ich von anderen und aus schlauen Büchern, dass viele, wenn nicht sogar die meisten Menschen, ihr eigenes Können weit hinter den Möglichkeiten zurück halten. Die Mehrheit scheint zu glauben, von äußeren Faktoren ausgebremst zu werden und deshalb hinter ihren Möglichkeiten oder hinter ihrem rechtmäßig zustehenden Platz in der Welt zurückzubleiben. Wenn man fragt, warum andere etwas erreichen, worauf sie neidisch sind, und warum sie selbst es nicht erreichen, antworten sie zumeist mit dem Verweis auf die Ungerechtigkeit des Lebens. Andere hätten es viel leichter, weniger Steine im Weg, mehr Glück und Geld obendrein.
Da bin ich zunächst - sprachlos.